Portrait

PORTRAIT

Ich fotografiere seit meinem dreizehnten Lebensjahr. Die frühe Schwarz-Weiß-Zeit hat mich gelehrt, in Licht, Formen und Flächen zu denken. Später rückte die Fotografie beruflich bedingt in den Hintergrund und diente vor allem Produkt- und Sachthemen.

Heute arbeite ich künstlerisch aus Fotografie heraus. Mein Ausgangsmaterial finde ich in der Natur, im urbanen Raum, in Menschen, Objekten und Landschaften. Mich interessieren weniger festgelegte Genres als jene Konstellationen, in denen Wirklichkeit zu Zeichen, Spannung, Bewegung oder stiller Präsenz wird.
Einige Arbeiten bleiben bewusst fotografische Beobachtungen. Andere werden weitergeführt, reduziert und zu eigenständigen Impressionen verdichtet. Entscheidend ist für mich nicht die eingesetzte Technik, solange sie als Werkzeug zuverlässig ihre Aufgabe erfüllt, sondern ob ein Bild visuell und emotional trägt.

Daneben experimentiere ich mit bildgenerierender KI. Sie eröffnet mir einen zweiten Zugang: Während die Fotografie von der vorgefundenen Wirklichkeit ausgeht, erlaubt mir die KI, Vorstellungen, Gedanken und innere Bilder unmittelbar zu gestalten.
 

 

Drei Wirklichkeiten des Sehens

Meine Bildarbeit bewegt sich zwischen Beobachtung, Gestaltung und Imagination.
Manchmal vertraue ich dem vorgefundenen Moment. Manchmal verdichte ich ihn im digitalen Prozess. Und manchmal entsteht ein Bild nicht mehr aus Licht, sondern aus Vorstellung.
 

Diese drei Ebenen sind für mich keine Rangordnung, sondern unterschiedliche Haltungen.

 

Die erste Ebene – Die vorgefundene Wirklichkeit

Diese Ebene steht für das Unmittelbare, das Authentische, das nicht Wiederholbare: ein Stück Welt, das sich dem Zufall, dem Licht und dem Augenblick anvertraut.

Unabhängig vom Sujet — ob im urbanen Raum, in der Natur oder in der Landschaft — entscheidend ist die Nähe zur aufgenommenen Wirklichkeit. Das Bild bleibt im Wesentlichen Beobachtung. Es wird entwickelt, aber nicht grundlegend umgebaut.
 

Auch hier ist Fotografie nie neutral. Schon der Bildausschnitt, der Moment der Auslösung, die Brennweite, Schärfe, Unschärfe und Belichtung sind Entscheidungen. Sie bestimmen, was sichtbar wird — und was nicht.
 

Diese Form der Fotografie vertraut auf das, was war. Ihre Kraft liegt in der Auswahl, im Warten, im Sehen.

 

Ich schöpfe aus dieser Vielfalt fotografischer Begegnungen. Doch nur jene Bilder, die in mir Resonanz erzeugen, werden weitergeführt — bearbeitet, reduziert und zu Impressionen der zweiten Ebene verdichtet.

 

Die zweite Ebene – Gestaltete digitale Fotografie

Dies ist mein eigentliches Zuhause als Fotograf.
 

Hier beginnt der Dialog zwischen Wahrnehmung und Empfindung. Das digitale Bild ist für mich nicht nur Beweis, sondern Sprache. Ich kann verdichten, betonen, beruhigen, verschweigen. Ich kann dem Bild jene innere Stimmung verleihen, die der Moment in mir ausgelöst hat.

 

Dabei bewege ich mich bewusst im Grenzbereich zwischen Impression und Expression — zwischen der verdichteten Wahrnehmung des Augenblicks und seiner emotionalen Überformung. Nicht die dokumentarische Treue zählt, sondern das subjektive Empfinden.
 

Farben, Kontraste, Lichtführung, lokale Betonungen und Reduktionen werden Teil der Aussage. Auch das Entfernen störender Elemente kann Ausdruck sein — nicht, um eine unberührte Realität vorzutäuschen, sondern um die Bildwirkung zu klären.
 

Diese Ebene interessiert mich besonders dort, wo aus einer Aufnahme ein eigenständiges Werk wird: nicht als Dokumentation allein, sondern als Ausdruck dessen, was ich empfunden habe und wie der Moment auf mich gewirkt hat. Manchmal wird das Bild dabei auch zu einem Destillat der Realität — zu einem bildnerischen Ausdruck, der über den Augenblick hinausweist und im Betrachter weiterarbeitet.
 

Die dritte Ebene – Menschliche Imagination / KI

Hier entsteht das Bild nicht mehr zwingend aus Licht, sondern aus Vorstellung.

KI ist für mich kein Ersatz für Fotografie, sondern ein Werkzeug der Imagination. Sie kann sichtbar machen, was nicht beobachtet, sondern gedacht, erinnert, geträumt oder konstruiert wurde. Was früher Skizze, Collage, Bühnenbild oder innere Vorstellung geblieben wäre, kann heute in eine bildhafte Form übersetzt werden.

Dabei bleibt die Autorenschaft beim Menschen: in der Idee, in der Auswahl, in der Regie, im Verwerfen, Überarbeiten und Entscheiden. Die Maschine erzeugt Varianten; der Mensch bestimmt Richtung, Haltung und Bedeutung.

Ein KI-Bild kann aus einer Fotografie hervorgehen oder sich vollständig von ihr lösen. Dann arbeite ich nicht mehr als Beobachter der Wirklichkeit, sondern als Autor einer Vorstellung — im Dialog mit einem generativen Werkzeug.

Zur Fairness gegenüber dem Betrachter mache ich sichtbar, wenn ein Bild generativ, also mit Hilfe von KI, entstanden ist.













 

 

"Und keiner hat es geahnt"

Bild KI generiert

Schlussgedanke

Diese drei Ebenen sind für mich keine Stufen, sondern unterschiedliche Haltungen gegenüber der Wirklichkeit: Ich kann sie beobachten, verdichten oder aus Vorstellung neu entstehen lassen.

Ich bewege mich zwischen diesen Haltungen: als Beobachter der Wirklichkeit, als Gestalter des Erlebten und als Autor des Vorstellbaren. Nicht, um die Welt bloß zu reproduzieren, sondern um sie sichtbar, spürbar und manchmal neu erfahrbar zu machen.

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